17. Mai Finnmark

17. Mai in Vestre Jakobselv

17. Mai Finnmark
Nach der Nationalhymne versammeln sich alle auf dem angrenzenden Schulhof und stellen sich zum Umzug auf.
17. Mai Finnmark
Eignet Zeit später geht es dann los.
17. Mai Finnmark
Nach der Hälfte der Wegstrecke spielt das Schulorchester ein paar Lieder bevor es weiter geht.
17. Mai Finnmark
Vor einer grandiosen Kulisse geht es in den anderen Teil des Ortes.
17. Mai Finnmark
Auf der E75 geht es über die Bürde in den älteren teil von Vestre Jakobselv mit seinen farbenfrohen Holzhäusern.
17. Mai Finnmark
Im Vordergrund ist eine samische Kofte zu erkennen, die in der Regel blau ist und durch rote und gelbe Akzente ergänzt wird.
17. Mai Finnmark
Im Anschluss an den Umzug spaziere ich bei Sommerwetter noch ein wenig durch den nun sehr ruhigen Ort.
17. Mai Finnmark
Auch die Brücke wurde am heutigen Tag mit großen Flaggen bestückt.
17. Mai Finnmark
Das bereits erwähnte Messen im Bogenschießen auf dem Schulhof.
17. Mai Finnmark
Zum Abschluss noch hein Bild vom Kuchenbuffet, welches dank zahlreicher zusätzlicher Kuchen nicht weniger wurde.

 

Nach meinem vorherigen Artikel über die Grundprinzipien des 17. Mai's in Norwegen, kommt nun ein weiterer Artikel mit meinen persönlichen Erlebnissen am 17. Mai. Selbstverständlich mit noch mehr Bildern.

Ruhiger Sommermorgen mit Schnee

Ohne ein traditionelles und ausgiebiges Frühstück starten wir ruhig in den Tag und machen uns klar für die Feierlichkeiten, die mit einer Versammlung um 11.00 Uhr im Gemeinschaftshaus beginnen, durch den Umzug fortgeführt werden und ab 12.00 Uhr bis in den späten Nachmittag langsam ausklingen.

Ich trage mein Weihnachtsoutfit: eine beige Chino und ein hellblaues Hemd mit einer 17. Mai-Sløyfe. Seit dem vergangenen Sonntag ist in Vestre JAkobselv nicht nur die Mitternachtssonne angekommen sondern auch der Hochsommer - wir haben 7 ° Celsius, Sonnenschein und kaum Wind. Allerdings finden sich noch zahlreiche Reste oder Schneeberge im Ort, die noch nicht weggetaut sind, wobei der Schnee im Fjell noch mehr als flächendeckend liegt - grob geschätzt bis Juni.

Ja vi elsker dette landet

Um Punkt 11.00 Uhr geht es schließlich los, alle erheben sich und singen die norwegische Nationalhymne, bevor der Umzug beginnt. Dabei ist es immer noch ein wenig befremdlich eine andere Nationalhymne zu singen, obwohl ich den Text mittlerweile schon fast auswendig kann. Im Anschluss geht es raus, um sich für den Umzug durch den Ort aufzustellen. Mit Polizeigeleit, Fahnenträgern, allen Schulklassen, dem Kindergarten und dem Rest geht es die eine Querstraße in Richtung Fjell rauf und wieder runter und danach auf der E75 bis in den anderen Ortsteil und zurück. Autos kommen dabei so gut wie gar nicht, da alle Norweger ohnehin ihren Grunnlovsdagen feiern.

Nach dem Umzug haben wir uns dann erstmal ein schönes Stück Kuchen verdient. Ich entscheide mich erst einmal für einen Schokoladenkuchen, der mit mehreren Creme-Schichten sehr vielversprechend aussieht. Da die Sonne mittlerweile mir voller Kraft am Himmel steht, mache ich danach noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort. Als ich nach einer halben Stunde zurück komme, haben die Mini-Spiele auf dem Parkplatz bereits begonnen. Etwas weiter entfernt finde ich eine Gruppe Norweger, die sich natürlich messen müssen, wer am besten ohne Übung Bogenschießen kann. Jeder zwei Probeschüsse aus zehn Metern Entfernung und danach die zwei Wettkampfschüsse. 

Während in den folgenden Stunde einige Reden gehalten werden, hat man immer wieder Zeit sich zu unterhalten. Vorerst bin ich eigentlich der Meinung gewesen, dass mich hier kaum einer kennt - warum auch. Wenn man allerdings - neu - zwei Monate in einem so kleinen Ort lebt, täglich Ski läuft und durch den Ort spaziert, dauert es keine Woche bis alle wissen, wer man ist, was man macht und wo man wohnt. So werde ich größtenteils zu den Tischen gerufen oder gebeten, führe viele interessante Gespräche und esse das eine oder andere Stück Kuchen.

Heimatstolz als Deutscher?

Leider nein, leider gar nicht (mehr). Selbst die Überschrift kommt mir befremdlich vor. Norweger sind unheimlich stolz - stolz auf ihr Land, auf ihre Geschichte und auf das, was sie erreicht haben. Hier scheut sich keiner Heimatlieder zu singen, mit großen Flaggen durch den Ort zu marschieren und gemeinsam die Nationalhymne zu singen, während man stolz an das eigene Norge denkt.

In Deutschland haben wir uns, selbst als 2. Generation, mit unserer Geschichte abgefunden und gleichzeitig unseren eigenen Heimatstolz abgeschrieben oder verloren. Wer würde schon in Deutschland mit großen Deutschland-Flaggen durch die Stadt marschieren, Heimatlieder singen und mit Freude die Nationalhymne singen? Sofern wir nicht gerade die Weltmeisterschaft gewonnen haben und mit Flaggen durch die Stadt laufen, sind es wohl nur Rechtsextremisten, die ihre Überzeugung auf diese Weise ausdrücken. Eigentlich eine sehr tragische Entwicklung und für Norweger absolut unvorstellbar.

Während der Feierlichkeiten unterhalten ich mich unter anderem mit älteren Leuten, die noch die deutsche Invasion in Norwegen miterlebt haben. Trotzdem sie sich der Folgen des Hitler-Regimes vollends bewusst sind, so denken sie trotzdem teils positiv an diese Zeit zurück. An die deutschen Soldaten, die Geschenke, die gemeinsamen Weihnachtsfeiern und deren Hilfe. In der Schule wurde dieser Teil der Kriegsgeschichte vollends ausgespart, obgleich er ebenso wichtig und interessant ist. Aber selbst in 13 Jahren Schule kann man das Nazi-Regime nicht vollends aufarbeiten und erfassen.

Bis dahin

Kai

 

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