Ein Tag in Tallinn

Sonnenaufgang an Bord
Die Sonne geht bereits weit vor der Ankunft in Tallinn auf, als wir noch auf hoher See sind.
Kabine "M/S Romantika"
Meine 4-Bett-Kabine an Bord der "M/S Romantika".
Sonnendeck
Beim späteren Spaziergang auf dem Sonnendeck ist die estländische Küste bereits zu erkennen.
Tallink-Schiffe
Die "M/S Romantika" (rechts) und ihr Schwesterschiff "M/S Star" (links) liegen fest vertäut im Hafen von Tallinn.
Stadtmauer Tallinn
Die zum Teil sehr gut erhaltene bzw. restaurierte Stadtmauer umschließt die Altstadt Tallinn's.
Türme der Stadtmauer
Bei sommerlichen Temperaturen flaniere ich durch einen kleinen Park an der Westseite der Stadtmauer.
Linnahall Tallinn
Im Jahr 1980 haben die Sowjets diesen unfassbar großen Betonklotz für die olympischen Regatten errichtet. Natürlich hatte er in der Zeit des Kalten Krieges ebenfalls eine militärischer Bedeutung.
"Broken Line"-Denkmal
Das "Broken Line"-Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Untergangs der "Estonia" im Jahr 1994.
Slottsgarten Tallinn
Der Park von Kadriorg mit dem Palast des Präsidenten im Hintergrund

Ein Tag in Tallinn

Die Fahrt quer über die Ostsee verlief weitestgehend ruhig, wobei ich zum dritten Mal den nächtlichen Zwischenstopp auf den Ålandinseln verpasst habe. Somit wache ich erst mit dem Aufgehen der Sonne auf. Nach einer warmen Dusche und einem kurzen Spaziergang über das noch menschenleere Sonnendeck, gehe ich direkt zum Frühstücksbuffet. Die Frühstückszeiten sind mit drei Stunden sehr großzügig bemessen und auch auf dem Buffet fehlt es an nichts – frisches Obst, Müsli, Brot und Brötchen, Kuchen, Säfte und heiße Getränke. Da ich einen gemütlichen Platz am Fenster gefunden habe und bis zur Ankunft in Tallinn um 10.00 Uhr noch drei Stunden Zeit bleiben, lasse ich mir viel Zeit mit dem Frühstück.

Als ich um kurz nach 9.00 Uhr das Sonnendeck betrete, ist die estländische Küste bereits in Sichtweite. Neben unserer Fähre liegen noch zwei weitere Tallink-Fähren im Hafen, die mehrmals am Tag zwischen Tallinn und Helsinki pendeln. Gegenüber den Shuttle-Fähren mit kurzen Liegezeiten, bleibt die „M/S Romantika“ bis zur abendlichen Abfahrt um 18.00 Uhr im Hafen vertäut. Dies erspart mir einen schweren Rucksack, da ich nur die wichtigsten Sachen mitnehmen muss und den Rest in der Kabine lassen kann. Zu dem liegt das Tallink-Terminal sehr zentral in der Stadt und so habe ich es nicht weit in die Innenstadt.

Um nicht völlig unvorbereitet und ohne Plan durch Tallinn zu laufen, habe ich auf der Fähre noch schnell einen Stadtplan mitgenommen. Ich steuere ohne konkretes Ziel erstmal die Altstadt an, die zum Teil von einer sehr gut erhaltenen Stadtmauer umrandet wird. Die Altstadt mit ihren zahlreichen verwinkelten Gassen, kleinen Höfen und prachtvollen Kirchen wurde damals auf einem „Berg“ errichtet. Mit ihrem Baustil erinnert die Altstadt „Vanalinn“ ein wenig an die „Gamla Stan“ in Stockholm.

Baukunst und Bausünde

Durch Zufall entdecke ich am westlichen Fuße der Stadtmauer den „Schnelli Park“. In diesem konnten Nachwuchs-Künstler auf abgrenzten Flächen kleine „Wohlfühloasen“ gestalten. Wie so oft stellt sich bei einigen Kunstwerken die Frage, was der Künstler damit ausdrücken will, wobei die estnischen Erklärung für mich nicht sehr aufschlussreich sind. Ebenso gibt es natürlich sehr gelungene „Parzellen“, die mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet wurden.

Nach dem ich den Park vollständig durchschritten habe, folge ich der Stadtmauer in Richtung Norden. Am nördlichen Ende entdecke ich durch Zufall das imposante „Broken Line“-Denkmal, welches an den Untergang der „M/S Estonia“ erinnert. Bei dem Fährunglück am 28. September 1994 verloren 852 Personen ihr Leben.

Auf der Suche nach einem netten Platz für eine kleine Pause, den ich erst ganz am Ende des Tages finden werde, entdecke ich Tallinn’s Bausünde Nummer Eins. Hinter dem unscheinbaren Namen „Linnahalle“ versteckt sich ein ca. 600 Meter langer, absolut symmetrischer Betonklotz. Wobei die langsam verfallende Bausünde durch ihre zahlreichen Treppen und zahlreichen Ebenen sehr unübersichtlich ist. Im Jahr 1980 wurde die völlig überdimensionierte „Linnahalle“ von den Sowjets für die Olympischen Spiele errichtet. Im Ernstfall, also der Eskalation des Kalten Kriegs, hätte die ehemalige olympische Anlage allerdings zu einem militärischen Stützpunkt umfunktioniert werden sollen.

Skandinavien und Estland

Grundsätzlich ist die Verbundenheit Estland’s zu Skandinavien frappierend: der Baustil, die dem finnischen sehr ähnliche Sprache und das nahezu identische Supermarkt-Sortiment. Letzteres stelle ich bei dem Besuch eines Supermarkts fest, in dessen Theke unter anderem Zimtschnecken und Piroggen liegen. Da ich neben Croissants, Pizzabrötchen, den skandinavischen Einflüssen und sonstigen Backwaren keine typisch estländischen Spezialitäten erkenne, nehme ich schlichtweg das, was lecker aussieht.

Mit dem Nachmittags-Snack im Rucksack mache ich mich auf die Suche nach einem netten und ruhigen Plätzchen in der Sonne. Allerdings irre ich eineinhalb Stunden erfolglos im näheren Umkreis, dann in der Innenstadt und schließlich am Yachthafen umher. Schließlich finde ich in der Nähe des Fähr-Terminals  ein immerhin ruhiges Plätzchen in der Sonne.

Als ich wieder aufbreche ist es bereits 14.00 Uhr und mir bleiben noch ca. drei Stunden. Ich entschließe mich in den östlichen Teil der Stadt aufzubrechen, wo der „Kadriorg Park“ mit dem Schloss des Präsidenten liegt. Der Park stellt sich als perfekte Picknick-Location dar, aber auch zum entspannten Spazieren. So schlendere ich vorbei an dem Schloss des Präsidenten, dem „Kadriorg Palast“ und besuche einen japanischen Garten. Wobei dieser Park meiner Meinung nach keinen japanischen Einfluss erkennen lässt.

Auf dem Rückweg zum Terminal komme ich noch an einem kleinen Sandstrand vorbei, der auf Grund der Verschmutzung allerdings wenig einladend ist. Nach dem ich in einem Rimi-Supermarkt noch eine neue Zahnpasta und Zahnbürste kaufe, gehe ich um 16.45 Uhr wieder an Bord.

Wellige Rückfahrt

Pünktlich verlassen wir den Hafen von Tallinn um 18.00 Uhr in Richtung Mariehamn auf den Ålandinseln. Im Gegensatz zur Hinreise hat der Wind ordentlich aufgefrischt und die Ostsee ist wesentlich aufgewühlter. Dies macht sich unter anderem in der ein- oder anderen Schiffsbewegung bemerkbar. Als ich meinen abendlichen Spaziergang mache, sind bereits die unteren, seitlichen Außendecks wegen des Windes und der Gischt gesperrt. Bei einer Rhabarber-Schorle, die den netten Namen „Öun“ trägt, lasse ich den Abend gemütlich ausklingen.

Bis dahin.

Kai

 

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