Munkki, Mumins und Riisipiirakka

Die gemächliche Fahrt durch den finnischen Schärengarten am frühen Morgen.
Kunst am Bau. Das überdimensionale Gänseblümchen ist eines von vielen Objekten im alten Werft-Viertel.
 
An der Größe der Kräne kann man erahnen, wie groß die Werft gewesen ist.
Eine der Kirchen in Turku, die mitten in der Stadt und trotzdem im Grünen liegt.
Karl Friedrich genieße ich bei der Ausfahrt aus Turku.

Mein Schatz!

Turku oder Åbo.

Gestohlen hat er ihn uns, der dumme fette Hobbit. Nein. Nein – gestohlen hat er ihn uns. Daran denke ich natürlich sofort, als ich meinen „Einen Ring“ heute Morgen nicht finden kann.

Es ist 05.15 Uhr als der Wecker klingelt und ich aus dem oberen Bett springe. Bis zur Ankunft in Turku sind es noch knapp zwei Stunden Fahrt, bis zum Frühstück lediglich 15 Minuten und 100 Meter Fußweg bis zum Bug der „Galaxy“. Leider liegt im finnischen Schärengarten, den wir womöglich gerade durchfahren, ein dichter Seenebel, der sich erst kurz vor Turku auflöst.

Munkki Munkki!

Nach dem völlig verkorksten Tag in den Start gestern, möchte ich heute so etwas nicht wieder erleben. So haben ich mich gestern bereits dazu entschlossen, für zehn Euro an Bord zu frühstücken. Wie sich heute Morgen herausstellt eine Entscheidung, die sich gelohnt hat: das Buffet ist umfangreich, es gibt guten Kaffee, frische Säfte und bei der Ankunft um 07:00 Uhr in Turku hätte ich noch zwei Stunden durchhalten müssen, bevor der erste Supermarkt geöffnet hätte.

Ich sitze gemütlich in der ersten Reihe an einem Tisch mit einem Fenster nach Vorne heraus und lausche den Gesprächen einer deutschen Reise-Gruppe, die auf dem Weg zum Nordkapp ist. Auf dem Buffet entdecke ich eine kleine, fluffige, berlinerartige Backware: Munkki. Sie schmecken süßlich, wie Berliner, sind allerdings nicht gefüllt, sondern nur mit Zucker bestäubt. Von den sonstigen Touristen trauen sich nur sehr wenige an die Munkit, so nehme ich am Ende noch einen auf die Hand und gehe gemütlich zu meiner Kabine zurück. Lecker!

Was im Laufe der Zeit unter den Reedereien sehr üblich geworden ist, sofern die Schiffe nur sehr kurze Liegezeiten haben, ist die Kabinen schon während der Fahrt für die nächsten Gäste bezugsfertig zu machen. So muss ich eine halbe Stunde vor Ankunft die Kabine verlassen. Ich gehe für den Rest der Zeit auf das Sonnendeck und gucke beim Einlaufen in Turku zu.

Turku und Åbo

Wer mit der Silja Line in Turku ankommt, kann den Bus in die Innenstadt nehmen oder entlang des alten Werftgeländes zu Fuß dem Fluss in die Innenstadt folgen. Da ich fast zehn Stunden Aufenthalt in Turku habe und erst mit der Abendfähre wieder nach Stockholm fahre, entscheide ich mich für den Fußweg. Von der ehemaligen Wärtsila-Werft erkennt man nicht mehr viel. Dafür hat sich entlang des Flusses ein neues Viertel gebildet und so gehe ich an edlen Wohnungen, auf guten Wegen und unter den Linden ca. 45 Minuten bis ins Zentrum.

Was mir erst im Laufe des Morgens auffällt, sind die stets zweisprachigen Beschilderungen: „Helsinki – Helsingfors“, „Turku – Åbo“ usw. Der Grund: seit dem 19. Jahrhundert ist Finnland offiziell zweisprachig – Finnisch und Schwedisch. Natürlich steht die Zweisprachigkeit oft in der Kritik, dabei vor allem der Schwedisch-Unterricht in der Schule. Auch den Tag über in Turku merke ich, dass auf ein „Hej!“ meinerseits, keine Begrüßung folgt. Folglich grüße ich nur noch mit einem unverbindlichen „Hello“ und zum Teil kommt auch ein freundliches „Hello“ zurück.

Turku’s zwei Seiten

Trotz des guten Morgens erkenne ich schnell, dass Turku leider nicht so viel zu bieten hat, wie ich vermute: einige Museen, die die Geschichte Turku’s erzählen, ein großes Einkaufszentrum im Stadtzentrum, vereinzelte Stadtparks, die zum Verweilen einladen und zwei Kirchen. Diese Hauptattraktionen habe ich bis zum frühen Nachmittag abgearbeitet. Ansonsten ist Turku eine sehr einfache Stadt, die nur sehr vereinzelt ihren Charme preisgibt. Bei einem Bäcker finde ich eine weitere finnische Backware mit dem Namen „Riisipiirakka“. Geschmacklich überzeugt sie mich nicht, aber die Idee Milchreis in einer Teigtaschen zu backen ist nicht schlecht – Zimt und Zucker fehlt.

Erst auf einem weiteren Spaziergang durch die Wohngegenden entdecke ich kleine Holzreihenhäuser, die alle im gleichen Stil gebaut sind und schon einige Jahre auf dem Giebel haben. Ebenso zufällig entdecke ich eine kleine Einkaufspassage, die sich vom Konzept mit dem „Bikini“ in Berlin vergleichen lässt. Dort stellen kleine Designer für kurze Zeit und wenig Geld ihre Produkte aus, vertreiben sie und erlangen somit mehr Aufmerksamkeit. So lassen sich dort Sonnenbrillen mit Holzrahmen erwerben, Holz-Cover für Smartphones, Laptops und Co. und auch an die Kinder wurde gedacht: während Mama und Papa shoppen sind, können sie unter Aufsicht in einem Lego-Laden anderer Art spielen. Es stehen zahlreiche Legemodelle von Duplo bis zu einer kleinen fest-aufgebauten Lego-Stadt mit Eisenbahn zum Spielen zur Verfügung. Mitunter kommt es vor, dass die Eltern auf ihre Kinder warten müssen oder nicht widerstehen können und selber die Eisenbahn durch die Lego-Stadt steuern.

À pros pros Kindheit, kennen werden sie wahrscheinlich wenige, aber in Finnland haben sie Kultstatus und sind das innoffizielle Wappentier: die Mumins! In Deutschland lief die Zeichentrickserie mit diesen niedlichen Tierchen meines Wissens nur sehr selten oder nie. Wer sie nicht kennt sollte sie sich mal angucken!

Lumi herneitä

Um 17.15 Uhr trete ich den Rückweg zum Fährterminal an. Auf dem Weg nehme ich mir noch ein bisschen Knabberzeug vom örtlichen Markt mit – Zuckerschoten. Ich darf sie vorher sogar probieren und kaufe einen Liter „Lumi herneitä“ für einen Euro. Das Terminal ist drei Stunden vor Abfahrt noch leer und ich kann ohne zu Warten einchecken. Die Frau am Schalter erklärt mir, dass ich ein Upgrade von A-Class auf A-Premium erhalte, weil sich sehr viele Familien angemeldet haben und ich die 4-Bett-Kabine unnötig blockieren würde. Ich freue mich auf die Kabine, genieße meinen Platz in der Sonne und beginne den heutigen Bericht zu verfassen.

Die Rückfahrt

Was gestern schon aufgefallen ist, erreichte heute seinen Hochpunkt: der außergewöhnlich hohe Anteil an Chinesen und oder Japanern an Bord. Heute wurde sogar eine extra Einweisung auf Chinesisch durchgesagt und auch hier bleiben interkulturelle Konflikte nicht aus. So sehe ich heute morgen beim Frühstück einen Jungen, der sich den gesamten Teller mit Schinken-Scheiben vollgepackt hat und weit über den Teller gelehnt, Scheibe für Scheibe isst. Naja wenn’s schmeckt.

Zum Kabinenupgrade lässt sich nicht viel berichten, da der einzige Unterschied ein Doppelbett anstatt drei Einzelbetten ist. Ansonsten heißt das finnische Bier heute nichts Sandels sondern Karl Friedrich, wobei Karl Friedrich dem Sandels sehr ähnlich sieht.

Bis dahin

Kai

 

P.S. Er war übrigens nicht in meiner linken Tasche, was ich vermutet habe, sondern lag unter meiner Jacke.

Tags: No tags

4 Responses

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.