Viel Zeit für Alles

Am Bahnhof in Växjö wird sehr umfangreich neugebaut, aber nicht in den Sommerferien.
Ein weiterer Park in Växjö, der sich durch eine drehende Diskokugel im See auszeichnet.
So langsam wird es Abend, als der Regionalzug von Göteborg nach Kalmar einfährt.
Alvesta ist bereits ein etwas größerer Bahnhof auf einer der Hauptstrecke Schweden's, in dem mehrere Strecken zusammenlaufen.
Nachtimpressionen einer Rolltreppe am Bahnhof in Alvesta. Trotz der späten Stunde dreht sie tüchtig ihre Runde(n).

Ein zweites Mal geht immer.

Växjö, Fylleryd und nach Alvesta.

Wo ich heute doch nichts geplant habe, bleibt sehr viel Zeit zu überbrücken, bis es um 21.50 Uhr mit dem Bus nach Alvesta geht und nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt um 00:46 Uhr mit dem Nachtzug nach Stockholm.

Ein letztes Mal geht es also zum typisch skandinavisch-umfangreichen Frühstück in meinem Hotel. Alles, was ich für einen guten Start in den Tag brauche: Orangensaft und Kaffee, diverse Sorten Joghurt und das dazugehörige Müslisortiment, frische Brötchen und Brot, Pfannkuchen mit Blaubeere-Marmelade und Zimt und Zucker. Selbstverständlich gibt es auch Lachs in zahlreichen Ausführungen, aber bis jetzt konnte er mich, trotz mehrmaligen Probierens in zahlreichen Urlauben, nicht überzeugen. Da ich erst bis 12.00 Uhr ausgeheckt haben muss, lasse ich mir Zeit mit dem Packen, Zusammensuchen und Vorsortieren, da ich meinen großen Rucksack im Hotel in Stockholm lasse, in dem ich nach meiner Ankunft aus Turku übernachten werde, und nur den Kleinen mitnehme.

Växjö – Stadt, Land, Fluss See

Nachdem ich ausgecheckt habe und meinen Rucksack für den Tag im Småland abgegeben habe, mache ich mich auf den Weg mit noch unbekannten Ziel. Ich besuche ein paar Parks, komme an verlassenen Krankenhäusern vorbei, die (wie viele Einrichtungen in Norwegen und Schweden) während der Sommerferien, sich auf die sozusagen lebenserhaltenden Maßnahmen beschränken und beschließen nach knapp zwei Stunden Spaziergehens, dass ich noch einmal zur Badestelle am Toftasjön gehe. Vom anderen Ende der Innenstadt bis zur Badestelle brauche ich sagenhafte zwei Stunden, was ich allerdings auch erwartet hatte.

Es ist immer noch alles wie gestern, lediglich ein bisschen windiger und später, als ich dort ankomme. Was mir seit meiner Ankunft nicht aufgefallen ist, weil sie schlichtweg nicht da waren, sind Mücken! Keine Einzige am See, an der anderen Badestelle und auch kein mysteriöser Mückenstich über Nacht. Heute gönne ich mir einfach mal anderthalb Stunden auf einem Stein zu liegen, mit dem Füßen als Wärmetauscher im See und den Joggingschuhen als Kopfkissen.

Aus meinem tranceartigen Zustand werde ich von zwei aufgeregten Kanufahrern gerissen – selbstverständlich Deutsche. Beide vermeintlich im Ruhestand, was allerdings nicht auf die Atmosphäre im Boot zutrifft: er paddelt links und sie rechts, er stärker und sie schwächer, er wechselt und sie ebenfalls. Völlig überfordert mit der „Größe“ des Sees, wissen sie nicht so wirklich wohin sie fahren sollen. Ich beobacht sie, wie sie in der nächsten halben Stunde, wie ein Rasenmährobotor, der auf ein Hindernis oder die Begrenzung stößt, von Seeufer zu Seeufer fahren – sehr witzig.

Um 16.00 Uhr geht es für mich wieder zurück zum Hotel, noch einmal zum Supermarkt für das „letzte Nachmittagsmahl“ (eine Zimtschnecke und eine Cola) und dann zum Bahnhof, wo ich die restlichen dreieinhalb Stunden relativ untätig verbringe.

Nächtliches Reisen und Warten

Von Växjö geht es mit dem letzten Bus in einer halben Stunde nach Alvesta. Auf den kleinen Straßen, abseits der Schnellstraße, hoffe ich auf einen Elch, der aus dem Wald herausguckt – es guckt keiner. Wer in Skandinavien mit einem Fernbus fährt, muss damit rechnen, dass man auch mal der Einzige Fahrgast ist. Aber die Busfahrer sind stets hilfsbereit, merken sich die Ausstiegsstation und vergessen auch nicht, dass man ein Gepäckstück im Gepäckraum verstaut hat. Die Sorge, man stehe irgendwo in der Pampa und winke dem Bus, der mit dem eigenen Gepäck davonfährt, ist völlig unberechtigt.

In Alvesta angekommen, es ist mittlerweile dunkel geworden und der Bahnhof ist hell erleuchtet, weiß ich, wo die ganzen Mücken sind. Tausende Mücken schwirren an den Lampen und das ein oder andere Spinnennetz droht einfach abzureißen, weil es voller Mücken ist. Eine halbe Stunde begnüge ich mich damit auf dem Bahnhof Langzeitbelichtungen zu machen und dann geselle ich mich zu den anderen Reisenden in die Bahnhofshalle, die auch auf den Nachtzug nach Stockholm warten und schreibe den (noch pünktlich) heutigen Artikel.

Bis morgen, wenn es Internet auf der Fähre gibt.

Kai

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