Fahrradtour durch Småland

Eine kleine Linné-Anlage, inspiriert durch seine Lehre und seinen Garten, umgesetzt von Schwedens Star-Landschaftsarchitekt.
Wichtig war der Bezug zu Schweden. Deswegen sind rote und weiße Holztrennwände, Wasser, Birken und Kiefern die bestimmenden Charaktere.
Blick auf einen von vielen Seen, der direkt an der Bahnstrecke liegt.
Kleine Landzungen schaffen viele gemütliche Einbuchtungen, wo mindestens ein Steg samt Boot zu finden ist.
Oft - hier ist es eine Hauptstraße - geht es gerade aus durch die Wälder.
Mal wird aber auch eine kleine Schikane eingebaut, damit man nicht einschläft.
Die Badestelle am Åsnen.

Auf nach Bullerbü.

Växjö und Åsnen.

Nach kurzer abendlicher Recherche habe ich gestern eine kleine Fahrradvermietung mit dem netten Namen „Smålands Sykkel“ im Stadtkern von Växjö aufgetan. Für 88 SEK kann man dort für einen ganzen Tag ein Fahrrad mieten und das Umland erkunden.

Smålands Sykkel

Der Vermieter, äußerlich könnte es Nelson Mandela sein, innerlich eher Bob Marley, ist, als ich morgens um 10.30 Uhr den kleine Laden in einer Nebengasse endlich gefunden habe, nicht da. Ein kleiner Zettel hängt an der Tür „Ring til …“ – ich habe kein Handy mit, aber ein paar Minuten später kommt er wieder. Das Formale ist schnell geklärt und ich mache mich auf den Weg. Ich habe mir im Voraus bei der Touristeninfo im Zentrum drei Karten mitgenommen: eine umfasst ganz Süd-Schweden (Auto-Karte für den groben Überblick gut), die Zweite das Gebiet südlich von Växjö und die Dritte den Bereich nördlich von Växjö. Ich suche mir eine vermeintlich entspannte Route südlich von Växjö entlang des Åsnen heraus.

Zuerst geht es auf einem gut ausgebauten Fahrradweg raus aus der Stadt. Ich mache einen kleinen Zwischenstopp an einem der zahlreichen Parks, die dem berühmten Biologen Carl von Linné gewidmet sind. Aus heutiger Sicht ist seine Theorie zur Adaption von Lebewesen (Die Giraffe hat einen langen Hals, weil sie ihn streckt) klar widerlegt, so hat er aber doch einen erträglichen Beitrag in der Biologie geleitstet. Wer Växjö besucht, wird das schnell merken – Linné-Universtität, Linné-Parks und Anlagen usw.

Sommer in Schweden

Danach geht es weiter in den Nachbarort „Teleborg“ und dann auf dem „Sydostleden“, eine örtliche Fahrradroute, durch Birkenhaine, Kiefernwälder, vorbei an zahlreichen roten Häusern und kleinen aufgeschütteten Steinmäuerchen durch Småland. Wie sich später herausstellt, handelt es sich um eine 2010 umgebaute Bahnstrecke, die jetzt als Fahrradweg dient und auch hier hat die EU finanziert.

Wenn die Schweden nicht ausgeflogen sind in den Sommerferien, dann verbringen sie ihre Zeit am und im See. Das merke ich, als ich nach gut dreieinhalb Stunden an meinem auserkorenen Zielort, einer kleinen Badestelle am Åsnen ankomme. Überall sitzen sie, essen Kuchen und trinken Kaffee. Ich habe während der Fahrt nicht so wirklich auf die Uhr geguckt und so bemerke ich, dass es schon 14.30 Uhr ist. Da ich keinen Tacho habe und unterwegs abseits der Hauptstraßen keine Schilder stehen, kann ich nur vermuten wie viele Kilometer ich gefahren bin. Ich rechne: die reine Fahrzeit 2,5 bis 3 Stunden 15 – 20 km/h im Durchschnitt – so ca. 40 km.

Eigentlich wollte ich noch baden gehen dafür bleibt aber keine Zeit mehr, da der Fahrradladen um 18.00 Uhr zu macht und er mich gebeten hat spätestens um 17.45 Uhr wieder da zu sein. Ich ahne, was mir bevorsteht: es sind warme 25°C im Schatten, keine Wolke am Himmel, die Trinkflache halb voll (nicht halb leer – ich bin Optimist) und ich muss ca. 40 km in der Nahmittagshitze nach Växjö radeln. Wer jetzt gegenrechnet, könnte einwenden, dass vier Stunden Restzeit, ein kurzes Bad zulassen würden – mag sein, aber das verschiebe ich auf morgen.

Verrücktweg nach Växjö

Ich radle los, diesmal eine andere Strecke, auf der einigen unnötigen Anstiegen bei Uråsa und Ingelstad entgehen möchte. Zurück geht es auf kleinen, kurvigen Straßen, in Richtung Växjö. Eine vermeintliche Abkürzung in Jätsberg, die auf der Karte als Straße (!) eingezeichnet ist, entpuppt sich nach vier Kilometern als Sackgasse. Der Ausflug kostet bei schlechter Wegstrecke fast 45 Minuten und der Puffer, den ich bis dahin noch hatte, ist weg. Jetzt heißt es in die Pedale treten, ein Durchschnitt von 20 km/h, was mit meinem eigenen Fahrrad kein Problem ist, macht mit dem geliehen Rad keinen Spaß – der Sattel war schon auf der Hinfahrt hart wie Kruppstahl. Es geht nun auf dem kürzesten Weg zurück nach Växjö.

Wenigstens wird Unterhaltung geboten: auf einer Kreuzung liegen überall verteilt kleine Holzplanken. Davor steht ein warnblinkendes Auto, dessen Besitzer (auch von den Planken) die Spanngurte auf dem Autodach lockert. Ich ahne, was passiert ist.

Geschafft!

Um 17.30 Uhr rolle ich endlich in Växjö ein, die Trinkflache alle und ich alle. Ich gebe pünktlich das Fahrrad wieder zurück und mache mich dann auf den Weg zum Hotel. Wobei ich noch einen kleinen Schlenker zum Supermarkt mache – eine Cola und zwei Zimtschnecken müssen meinen Zuckerspiegel wieder normalisieren. Zurück im Zimmer öffne ich erstmal das Fenster, mache es aber auf der Stelle wieder zu – es sind immer noch mindestens 25 °C.

Abschließend kann man sagen, dass eine Fahrradtour in Småland absolut zu empfehlen ist, ich würde es auch immer wieder machen, aber nicht mehr so weit und unter Zeitdruck.

Morgen mache ich die Gardinen zu.

Kai

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