Nusnäs Dalarnapferde Schweden

Nach Mora und ins Nichts

Mit der neuerworbenen Regenjacke griffbereit beginne ich die kommende Etappe von Falun über Mora in Richtung Bruksvallarna und norwegische Grenze. Vorbei am Ursprung der berühmten Dalahästar, über die ersten, kargen Hochebenen, zu Schwenden’s höchsten Wasserfall und der ältesten Fichte der Welt.

Mittkommen oder Stehenbleiben

Auf dem ersten Teilstück dieser langen und durchaus abwechslungsreichen Etappe, geht es im strömenden Regen vorerst nur nach Leksand. Aus der Knäckebrot Metropole nehme ich geduscht und zugemoddert schließlich den Zug ins Tagesziel Mora. Allerdings, wie in Deutschland, einfach den Zug nehmen, ist in Schweden im staatlichen Fernverkehr gar nicht und im Regionalverkehr nur sehr begrenzt möglich. An diesem Samstag würde zudem der nächste und vorletzte Zug erst sechs Stunden später kommen, was mir jedoch erspart bleibt, da ich einen der zwei (!) Fahrradplätze ergattere.

Während ich so auf den ersten Fahrrad-Kilometern meine neue Regenjacke ausgiebig testen konnte, bleibt mir gleichzeitig nach der Ankunft in Mora noch genug Zeit den Ursprungsort der Dalahästar, Nusnäs, zu besuchen. Diese Idee haben an einem regnerischen Sonntag gar nicht so Wenige. Bereits beim Passieren des Fabrikvekaufs von Leksander’s Knäckebrot stauten sich die Menschen vor den Eingängen, was in Nusnäs nicht anders ist. Auch wenn an diesem Samstag die Produktion größtenteils ruht, so kann man (trotzdem) die Werkstätten frei und kostenlos besichtigen. Nachdem ich mehr als 2500 Kilometer durch Schweden geradelt bin, kann ich einem bzw. zwei originalen Grannäs Dalahästa’n nicht widerstehen. Allerdings nicht im klassischen Rot oder Blau sondern im Schweden-Dekor, was meines Erachtens etwas schlichter und moderner gehalten ist.

Planungsstress und Ungewissheit

Auf der kommende Wegstrecke in Richtung Funäsdalen/Bruksvallarna passiere ich zudem den Nationalpark Fulufjället. Neben tollen Wanderwegen befindet sich dort nicht nur Schweden’s höchster Wasserfall, sondern auch die älteste Fichte der Welt. Während ich das Wetter checke, die Etappenlänge und Höhenmeter überprüfe und die Gegend auf Einkaufsmöglichkeiten absuche, ist kurzer Hand die nahegelegene Herberge ausgebucht. Am Fuße des Berges gelegen wäre diese sicherlich ein hervorragender Ausgangspunkt für die Wanderung im Nationalpark gewesen. So buche ich kurzentschlossen ein „nahegelegenes“ Pensionat und lasse mir vorerst offen, ob ich die 45 km zum Park radle oder meinen freien Tag für einen Spaziergang im nähergelegenen Näsfjället nutze.

Da ich mittlerweile, bzw. eigentlich seit dem Verlassen von Gotland, keine(n) expliziten Ziele und Routen mehr (ver)folge, ist die gelegentlich Planung immer ein wenig aufreibend und zeitintensiv. Gerade bzw. bereits in diesem Teil von Schweden sind die Entfernung zwischen den Orten doch beträchtlich und Lebensmittelläden gibt es oft nur noch in den Städten. Da ich zudem nur sehr wenig Essen mitnehmen kann und will, spielen bei der Routenplanung stets sehr viele Faktoren eine Rolle.

Im Nichts

Die Tagesetappe von Mora nach Sörsjön ist größtenteils ereignislos. Wenn auch landschaftlich schön so folge ich größtenteils der viel- und schwerbefahrenen Überlandstraße 70 von Mora in Richtung Idre. Erst kurz vor dem Tagesziel zweige ich auf schier ausgestorbene Nebenstraße ab, die geradezu ins Nichts führen. Im Licht der Abendsonne radle ich durch die bereits dünner werdenden Wäldchen vorbei an Seen mit kleinen Sommerhütten, bis ich schließlich Sörsjön erreiche. Neben einem kleinen Lebensmittelhändler gibt es dort allerdings auch nicht viel mehr als ein paar Häuschen und mein Pensionat für die kommenden zwei Nächte.

Schließlich entscheide ich mich beim Frühstück am nächsten Morgen nicht ins Fulufjället zu fahren, sondern diesem erst am Folgetag einen Besuch abzustatten. Somit genieße ich die Zeit erst bei einem Spaziergang durch das Örtchen und mache am frühen Nachmittag noch einen Ausflug zum nahegelegen Hausberg, um dort ein Ründchen in den Bergen zu spazieren. Neben einer norwegischen Familie, die die sommerlichen Alpinhänge und Trampelpfade mit einem Kinderwagen bezwingt, treffe ich allerdings niemanden. Angekommen an der verlassenen Bergstation öffnet sich der Blick auf die Weiten und teils unbewaldeten Ebenen, während der Wind leise aber lauwarm über das flache Geäst und die Moosflächen zieht. Pure Romantik!

Bsi dahin,

Kai

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