Ostküste Schweden Fahrradtour

Ostwärts mit dem Wind

Es geht die Ostküste von Schweden entlang und länger bis in die Küstenstadt Kalmar, von wo aus ich mit einer Fahrradfähre nach Öland übersetze. Vor dem Erreichen des ersten Etappenziels geht es allerdings im Rundkurs einmal über die gesamte Insel.

Ländliche Tristesse

Nach einem wunderbar langen Frühstück im Restaurant der Herberge, bestimmt durch die erste Fährabfahrt um 10.00 Uhr, geht es am Vormittag zurück auf's Festland. Abschließend lässt sich sagen, dass Tjärö einen Besuch sicherlich wert ist, gerade wegen dem Restaurant und den charmanten Zimmer, aber die Insel an sich doch sehr übersichtlich ist. Zusammen mit einem dänischen Pärchen sind wir nach dem gestrigen Wochenendtrubel die einzigen Fahrgäste an diesem Morgen. Für den heutigen Tag bzw. eher die Nacht habe ich mir nach dem letztmaligen Chaos ein paar mehr Alternativen entlang meiner Route entlang des Kalmarsunds herausgesucht. Dabei folge ich in der ersten Tageshälfte hauptsächlich der stets kleiner werdenden E22 gen Osten. Gestern noch war es eine Autobahn, heute ist es bereits nur noch eine dreispurige Straße mit Fahrradweg. Es bleibt also anzumerken, dass die Gegend zwischen Karlshamn und Karlskrona ggf. sogar Jämjö sowohl landschaftlich als auch fahrradtechnisch eher belanglos ist.

Ende der Bargeldserie

Gerade noch rechtzeitig stelle ich bei einem Routencheck fest, dass unabhängig vom heutigen Nachtlager der letzte Supermarkt bereits im kleinen Örtchen Jämjö liegt. Bis ins knapp 80 km entfernte Kalmar folgt schwedische Provinz. In diesem Sinne kaufe ich an diesem warmen Sommertag alles für einen abendlichen Tomatensalat mit Brot und Tapenade ein. An der Kasse reißt schließlich die Bargeldlos-in-Schweden-Serie, da das Kartenterminal nicht funktioniert. Was in Schweden eigentlich einem Desaster gleichen sollte, wird durch MobilePay mit dem Smartphone aufgefangen. Da mir diese Form des Bezahlens bisher aber noch nicht notwendig oder überhaupt vorteilhaft erschien, muss ich nun gezwungenermaßen Bargeld abheben.

Mit dem Abendbrot in den Taschen und mit etwas Bargeld gewappnet für die kommende Hofverkaufsstände geht es ab von der E22 an die Küste. Mit unverkennbaren Rückwind und auf einsamen Nebenstraßen erreiche ich schließlich das Örtchen Kristianopel, welches mich mit wehenden Flaggen und Königssymbol begrüßt. Tatsächlich sind das aber auch die einzigen, mir ersichtlichen Überreste der einstigen dänischen Herrschaft. Das Örtchen wirkt verlassen wenn nicht sogar ausgestorben mit ein paar alten Häusern und einem kleinen Café. Schließlich erreiche ich meinen Windschutz für die Nacht etwas südlich von Bergkvara und nett am Meer gelegen. Während ich mir schließlich in einer kleinen Bucht mein Abendessen zubereite leuchten am Horizont schon die südlichen Ausläufer von Öland.

Erika's Eck in Kalmar

Am nächsten Morgen erwache ich durch die früheinsetzenden Helligkeit um kurz nach 6.00 Uhr und fange bei Vogelgezwitscher langsam an zusammen zu packen während die Haferflocken köcheln. Da man als Fahrradtourist Öland nur mit der Fähre (ab Kalmar oder Oskarshamn) erreichen kann, wird auch heute wieder in See gestochen. Mit den an Schul- und Arbeitszeiten orientierten Abfahrten muss ich mich allerdings mit der Abfahrt um 14.00 Uhr ab Kalmar begnügen bevor ich schließlich die Weiten von Öland erkunden kann. Auch bis Kalmar überzeugt die Landschaft mit wenigen Highlight's. Erwähnenswert ist jedoch die alte Bahntrasse - jetzt Fahrradweg, die schnurgerade zehn Kilometer vor Kalmar beginnt und somit einer Art Fahrradautobahn gleicht.

Angekommen im größeren Hafenstädten entdecke ich durch Zufall das kleine Hafecafé nahe dem Anleger der Fähre. Im antiken Charme mit dunkler Holzvertäfelung, alten Gemälden und geschichtsträchtiger Vitrine gibt oder gab es hier alles für den hungrigen Besucher oder Hafenarbeiter. Ähnlich wie in der Kultkneipe Erika's Eck in Hamburg steht hier einfache Kost im Vordergrund - belegte Brötchen, ein paar Kuchen und ein paar Tagesgerichte. Neben einem Baguette mit Salami und Schafskäse kann ich auch dem Himbeerkuchen nicht widerstehen, was sich als hervorragende Wahl herausstellt. Die Bedienung ist zwar eher wortkarg und gräbt den Kuchen wie Eiskugeln aus der Quicheform, was sich jedoch blendend mit dem rauen Charme der "Bude" verbindet.

Ruhepol Öland

Gut gestärkt geht es mit der Fahrradfähre nach Öland. Auch hier greift das schwedische Selbstbedienungsprinzip: Fahrkarten kauft man selber an Bord und zeigt sie beim Verlassen vor. Wenn das bloß jeder wüsste... Neben dem Sverigeleden verfügt Öland über einen Rundrandweg, dem ich vorerst in Richtung Süden folge, bevor ich die erste Etappe der Tour in ein paar Tagen in Böda abschließe. Es ist bereits früher Abend als ich die einsamen Felder südlich von Färjestaden erreiche. Kleine, verlassene Straßen führen durch das Unesco Weltkulturerbe bevor es landeinwärts durch die kargen Ebenen zu meinem Windschutz an der Burg Eketorp geht. Einsam und alleine radle ich vorbei an endlosen markanten Steinwällen bis ich die ersten hölzernen Windmühlen an der Ostküste passiere. Der Windschutz liegt schließlich etwas versteckt hinter der Burg im Stile mittelalterlicher Baukunst. Ergänzt wird das beeindruckende Ambiente im Schatten der wiedererrichteten Burgmauern durch eine solarbetriebene Induktionsladebank mit WiFi-Hotspot und Unterbodenbeleuchtung.

Bis dahin,

Kai

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